Die katholische Königin Isabella I. und ihre Kinder

Hochzeitsbild Isabella und Ferdinand 1469 - wikipedia
Hochzeitsbild Isabella und Ferdinand 1469 - wikipedia

Mein historischer Roman "Die Maurin" spielt zur Regentzeit der Katholischen Könige in Kasitilien - so dass ich Euch hier gern auch hier von dem Königspaar und seinen Kinder erzählen möchte.

 

Isabel de Castilla : Die große Königin Spaniens – und die Schicksale ihrer Kinder

Geboren wurde die wohl bekannteste spanische Königin am 22. April 1451 im Zeichen des Stiers und genau die Eigenschaften dieses robusten und durchsetzungsfähigen Tieres brauchte sie auch, um sich an die Spitze des kastilischen Königreiches zu kämpfen. Nachdem sie verschiedene Ehemänner, die ihr Halbbruder Heinrich ihr angetragen hatte, abgelehnt hatte, begab sie sich, kaum dass sie erwachsen war, selbst auf Brautschau. Ihre Wahl fiel auf den katalanischen Prinzen Ferdinand von Aragon (Fernando de Aragón) – den Mann, mit dem zusammen sie als die Katholischen Könige in die Geschichte eingehen sollte. Den Titel „Katholische Könige“ verlieh ihnen Papst Alexander VI. 1496 für ihren besonderen Einsatz für die christliche Kirche. Zu ihren Erfolgen gehörten die Vollendung der Reconquista, die Rückeroberung der letzten maurischen Gebiete auf der iberischen Halbinsel (1492) und die Eroberung Südamerikas im Zeichen des Kreuzes. Weit unrühmlicher ist die Einführung der Inquisition in Spanien, die Vertreibung der Juden (Alhambra-Edikt 1492) und die Zwangskonversion von Juden und Muslimen.Hoch

Isabella bekam zehn Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten; die anderen wurden tot geboren oder starben kurz nach der Geburt. Diese hohe Sterblichkeitsrate war im Mittelalter durchaus normal, aber Isabella ging auch nicht eben rücksichtsvoll mit sich um: Schwanger oder nicht – wenn „Not an der Frau“ war, saß sie hoch zu Ross und führte ihre Truppen höchstpersönlich in die Schlacht. Mehr als eines ihrer Kinder erblickte in einem Heereszeltlager das Licht der Welt.

Mit neunzehn Jahren gebar Isabella ihre älteste Tochter (1470-1498), die von ihr auch ihren Namen bekam. Isabella, die Tochter, wurde durch ihre zweite Ehe mit Manuel I von Portugal zur Königin des iberischen Nachbarlandes, eine Rolle, die sie allerdings nicht lange spielen sollte. Schon bei der Geburt ihres ersten Kindes, eines Sohnes, starb sie. Leider lebte auch dieser Sohn nicht lange: Er wurde nur zwei Jahre alt, womit das portugiesische Königreich für die Kastilier – zunächst - wieder verloren war.

Isabellas Liebling war ihr Sohn Johann, ihr erster und einzig überlebender Sohn, der ersehnte Thronfolger. Isabella war „schon“ 27, als er geboren wurde (1478). Sie brachte ihn im königlichen Alcazar in Sevilla zur Welt, in dem die Könige damals ihren Hof abgehalten hatten.  Seine Geburt war eine überaus öffentliche Angelegenheit: Außer der sevillanischen Hebamme waren als Zeugen auch von Ferdinand selbst ernannte Personen anwesend: Garci Téllez, Alonso Melegarjeo und zwei weitere hochstehende Herren, genau, wie es das kastilischen Gesetz vorsahen. Grund dieser Maßnahme war, dass niemand je einen Zweifel daran haben sollte, dass das Neugeborene ein leibliches Kind der Königin war.

Zu Johanns Mentoren gehörten sowohl der spätere Inquisitor Fray Diego de Deza als auch der italienische Humanist Petrus Martyr von Anghiera – Gegensätze, wie man sie wohl nur in Spanien findet. Seine besten Freunde waren die Söhne von Christoph Kolumbus, Diego und Hernando Kolumbus.

Mit 19 heiratete Johann die nur wenig jüngere Margarete von Österreich, Tochter Maximilians von Habsburg. Doch nicht über diese beiden fanden später die Habsburger den Weg in die kastilischen Thronfolge, sondern über Johanns Schwester Johanna und Philipp den Schönen, den Bruder Margaretes. Johann starb schon sechs Monate nach der Hochzeit, am 4. Oktober 1497, auf dem Weg zur Hochzeit seiner Schwester Isabella. Das Kind, das Margarete unter dem Herzen trug – ein Kind wahrhaftiger Liebe, wie man sich erzählt – wurde tot geboren. Nach dem Tod Johanns ging die Thronfolge zunächst an seine Schwester Isabella weiter.

Über Johanns Tod kursierten viele Gerüchte: Die einen behaupteten (und tun es noch), er sei an Tuberkulose gestorben, andere, er hätte eine heftige, hochfiebrige Infektion gehabt und wieder andere, er hätte sich an seiner Ehefrau „zu Tode geliebt“. Seine Mutter jedenfalls hat sich nie von seinem frühen Tod erholt.

Das dritte überlebende Kind Isabellas war Johanna, die aufgrund ihres tragischen Schicksals eine traurige Berühmtheit erlangte – und von der als Letzter erzählt werden soll. Drei Jahre nach ihr kam Maria zur Welt (1482-1517). Schon bei ihrer Geburt schien sich anzudeuten, dass sie immer eine von zweien sein sollte: Während ihre Zwillingsschwester tot zur Welt kam, war sie ein kräftiges Kind. Auch im Eheleben musste sie die Stelle einer Schwester antreten. Nach dem Tod ihrer Schwester Isabella und deren Sohn wurde sie Manuel I. von Portugal angetragen, da die Allianz zwischen ihm und Spanien weiterhin gestärkt werden sollte. Aus dieser Ehe gingen zehn gesunde Kinder hervor; acht davon erreichten das Erwachsenenalter – für das ausgehende Mittelalter eine beachtliche Zahl. Ihr Sohn Johann regierte Portugal mehr als ein Vierteljahrhundert lang (von 1521 bis 1557). Katharina (1485 -1536)  war Isabellas jüngste Tochter. Sie war gerade vier Jahre alt, als der erste Heiratsvertrag für sie abgeschlossen wurde. Ihr Ehemann sollte Arthur Tudor sein, der Sohn Heinrichs VII von England – damals ein Knäblein von zwei Jahren. Die treibende Kraft für diese Ehe war Heinrich. Er hatte zwar seinen Gegner Richard III geschlagen („Rosenkrieg“), aber seine Legitimität als König stand auf so wackligen Füßen, dass er dringend starke Verbündete brauchte, und Kastilien schien ihm der ideale Bündnispartner zu sein. Als Sechsjährige wurde Katharina nach England geschickt, als fünfzehnjährige heiratete sie Arthur, war jedoch schon vier Monaten später wieder Witwe. Nicht nur Frauen im Allgemeinen, sondern auch Königstöchter waren damals rechtslos, und so fragte niemand Katharina nach ihren Wünschen: Sie war ihrem Schwiegervater auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und sein „Pfand“ gegen das spanische Königshaus. Man erzählt sich, er habe sie so „knapp gehalten“, dass sie in ihrer Not ihre Eltern um finanzielle Unterstützung bitten musste, um ihre Kleider, ihr Essen und ihre Bediensteten bezahlen zu können. Heinrich demütigte sie aber auch auf andere Art: Mal wollte er sie selbst heiraten, mal sie seinem zweiten Sohn zur Frau geben, und änderte dann erneut seine Meinung, womit Katharina zum Spielball seiner Launen wurde. Nach Heinrichs Tod wurde sie dann doch noch die Frau seines zweiten Sohnes, dem künftigen Heinrich VIII.

Die Ehe mit Heinrich VIII machte Katharina zur Königin von England. Schon wenige Wochen nach der Hochzeit war sie zum Mal guter Hoffnung, doch ihre ersten vier Kinder kamen entweder tot zur Welt oder starben schon wenige Wochen nach der Geburt. Abgesehen davon ging es Katharina endlich gut: Ihre Ehe mit Heinrich war harmonisch und das Volk liebte die anmutige, bescheidene und devote Frau. Gerührt erzählte man sich, dass sie die Kleider ihres Mannes selbst flickte und voller Fürsorge für ihn war, womit sie dem Idealbild einer Frau ihrer Zeit entsprach – mit einem winzigen, aber doch entscheidenden Unterschied: Wenn sie etwas zu sagen hatte, dann tat sie das auch.

Katharina muss auch in anderer Hinsicht eine bemerkenswerte Frau gewesen sein: So machte sie ihrem Mann wegen seiner vielen Bettgeschichten nicht nur keine Vorwürfe, sondern kümmerte sich auch noch darum, dass die Schwangeren gut verheiratet und versorgt wurden – und ihr „Bankert“ nicht am Hof zur Welt brachten. Dann jedoch machte ihr eine der Damen „Schwierigkeiten“: Elizabeth Blont gebar Heinrich 1519 einen Sohn und erreichte, dass dieser das Kind auch offiziell als seinen Sohn anerkannte. Hernach wurde Elizabeth angemessen verheiratet, ihr Sohn kam an den Hof, um dort so aufzuwachsen und erzogen zu werden, wie es einem Königskind zukam. Der Junge trat jedoch nie in die Fußstapfen seines Vaters, da er schon als 17jähriger verstarb.

1516 gebar Katharina Heinrich endlich ein Kind, das überlebte: ihre Tochter „Mary“.

Trotzdem zogen ein paar Jahre später in Katharinas Ehe dunkle Wolken auf. Anne Boleyn, eine von Katharinas früheren Zofen, wurde um 1526 die neue Geliebte Heinrichs, und sie zog ihn derartig in ihren Bann, dass er für sie sogar seine Ehe mit Katharina auflösen wollte. Die Kirche aber machte es ihm schwer: Da die Ehe zwischen ihm und Katharina nachweislich vollzogen war, konnte er dies nicht als Scheidungsgrund angeben, aber auch das Argument, dass sie die Frau seines Bruders gewesen war, wollte die Kirche nicht gelten lassen, da sie ihm hierfür zuvor extra Dispens erteilt hatte. Als Anne schwanger wurde und Heinrich hoffte, endlich einen männlichen Thronfolger zu bekommen, heiratete er sie (1533), obwohl er noch gar nicht geschieden war. Da er jetzt in Bigamie lebte, hielt er die Eheschließung zunächst geheim. Zusammen mit seinem Lordkanzler Thomas Cromwell und dem Erzbischof übte er auf den englischen Klerus so viel Druck aus, dass sie seinem Drängen auf Scheidung von Katharina schließlich doch noch nachgaben. Da dies ohne Zustimmung des Papstes geschah, war der Bruch mit der römisch-katholischen Kirche vorprogrammiert und der Weg für die Errichtung der anglikanischen Staatskirche geebnet. Auch später stimmte der Papst der Scheidung nämlich nicht zu, und das nicht zuletzt auch deswegen, weil  Katharina, die keinesfalls geschieden werden wollte, in Rom einen gewichtigen Fürsprecher ihrer Sache hatte: ihren Neffen Karl V., den ältesten Sohn ihrer Schwester Johanna, der zu diesem Zeitpunkt immerhin schon Kaiser des Heiligen Römischen Reichs war.

Auch wenn Katharina die Scheidung verhindern konnte - für ihre übrigen Lebensumstände half ihr dies wenig: Ihr Gemahl verbannte sie vom Hof und trennte sie von ihrer Tochter, aber selbst das beugte ihren Willen nicht. Auch ihren letzten Brief unterzeichnete sie noch als „Katharina, die Königin“.

Übrigens war der Ehe von Anne und Heinrich kein lang währendes Glück beschieden – und Katharinas Tochter Mary wurde später doch noch die Königin von England und versuchte im Sinne ihrer Mutter,  die römisch-katholische Religion wieder als Staatsreligion Englands einzusetzen. Neuere Untersuchungen haben herausgefunden, dass Katharina an einem Krebsgeschwür am Herzen gestorben war – was einen vor diesem Hintergrund kaum wundern kann.

Nach dem Tod ihrer beiden älteren Geschwister Isabella und Johann, trat  Johanna („die Wahnsinnige“, Juana la loca) in der Thronfolge an nächster Stelle. Johanna war ein sehr ernsthaftes und verschlossenes Kind gewesen. Ihre großen dunklen Augen blickten stets abweisend, so dass auch sie nur wenig von ihrem Wesen offenbarten. Genau wie ihre Geschwister war sie umfassend gebildet; religiöse Pflichten spielten in ihrer aller Leben eine zentrale Rolle. Um den ewigen Feind Frankreich zu umzingeln beschlossen die Eltern, sowohl Johanna als auch Johann mit Nachkommen des Hauses Habsburgs zu verheiraten. Während Johanna, kaum 14jährig, Philipp den Schönen (Felipe el hermose) ehelichte, trat ihr Bruder mit Philipps Schwester in den Bund der Ehe. Auch die Ehe von Johanna und Philipp war, obwohl arrangiert, eine sehr leidenschaftliche. Als Philipp das anmutige, zierliche Mädchen sah, bestand er darauf, sie auf der Stelle zu heiraten und verschwand hernach mit ihr im Schlafzimmer. Johanna liebte Philipp so sehr, dass es fast schon an Besessenheit grenzte, und sie verfolgte ihn mit großer Eifersucht. Immerhin sechs Kinder gebar sie ihm, deren berühmtestes  Karl V., der letzte römisch-deutsche Kaiser. Nicht zuletzt durch die neuen Besitzungen Kastiliens in Amerika regierte er über ein Reich, von dem er  gesagt haben soll, dass in ihm niemals die Sonne unterging …

Nach dem Ableben ihrer Mutter (1504) rückte Johanna – bedingt durch den früheren Tod ihrer beiden älteren Geschwister – in der Erbfolge nach. Als sie die kastilische Königswürde übernahm, kam es zu Spannungen mit ihrem Vater, der Kastilien selbst weiter reagieren und keinesfalls seinen Schwiegersohn als Regenten sehen wollte. Schon zwei Jahre später starb Philipp und mit ihm auch ein Teil von Johanna. Angeblich weigerte sie sich, den Sarg mit der Leiche ihres geliebten Mannes herauszugeben. Wegen ihrer angeblich schlechten psychischen Verfassung sperrte man sie in das Kloster Santa Clara in der Festung Tordessilla, allerdings wurde ihre „Geisteskrankheit“ nie zweifelsfrei bewiesen. Es gibt ebenso viele Indizien, dass man sie nur aus machtpolitischen Gründen aus dem Weg haben wollte.

Johanna war trotz ihrer Einsamkeit und ihrer Gefangenschaft ein langes Leben beschieden: Erst 1555, im Alter von 75 Jahren, erlöste sie der Tod von ihrem traurigen Dasein.