Stimmungen heraufbeschwören

Beschreibungen ... sollten eigentlich einfach sein. Man muss doch nur beschreiben, was man sieht. Oder?

Wenn ich schon so "dumm" daherfragen, kann die Antwort natürlich nur eine sein, nämlich: Nein. Warum nicht? Hier ein Beispiel:

Im Prinzip macht man beim Schreiben nichts anderes als beim Malen: Man beschreibt einen AUSSCHNITT einer (fiktiven) Realität – und wir erwähnen nur das, was dazu dient, dies Bild auch zu stützen.

Betrachten wir dies Bild von Carl Spitzweg.Nehmen wir an, Carl Spitzweg hätte hier ein Modell gehabt und ihn in dieses Zimmer gesetzt. Nehmen wir weiter an, da hätte noch mehr im Zimmer gelegen und gestanden. Ein quietschgelbes Buch direkt vorn links vor dem Ofen, eine feuerrote Lampe an der Decke, die der Poet von seiner Großtante Amalia geschenkt bekommen hat (am besten hängt man noch einen Zettel daran, um zu verewigen, dass die von ihr war. Der Zettel muss dann natürlich mit aufs Bild!), ein türkisblauer Korbstuhl rechts vorn, auf dem Nachbars Katze ein Nickerchen macht – und da der Mantel des Poeten eigentlich nicht lindgrün, sondern rot-blau-gestreift ist, korrigieren wir das jetzt auch noch schnell. Nehmen wir weiter an, die zusätzlichen Details wären ebenso gekonnt gemalt wie der Rest. Dann müsste das Bild jetzt, wo es jetzt doch viel realistischer und wahrer als vorher ist, ja noch besser sein. Angenehmer Nebeneffekt: Tante Amalia wird uns zum Alleinerben bestimmen … Aber ich brauche hier gar nicht weiter alles schön zu reden, denn euch ist ja auch klar: Wenn Tante Amalia uns jetzt nicht wirklich einen Riesenbatzen Geld vererbt, sind wir verratzt, denn für das Bild bekämen wir noch keinen Cent mehr.
Die Kunst ist also nicht, möglichst viele Details zu erwähnen/zu malen, sondern die RICHTIGEN ins RICHTIGE Licht zu setzen. Ein stimmiges Bild. Ein rundes Bild. Eines, in dem jedes Details nur dazu da ist: Den Gesamteindruck zu stützen … aber nicht ihn zu stüRzen.